Flüchtlingshilfe

Flüchtlinge in Ehra-Lessien

Auf dem ehemaligen Bundeswehr-Truppenübungsplatz, auf dem seit dem 21. September insgesamt 804 Flüchtlinge aus 29 Nationen eingezogen sind, wohnen seit Mitte Oktober alle in 13 verschiedenen Wohngebäuden, die letzten Behelfszelte und Feldduschen wurden geräumt und abgebaut.

Was in Lessien geleistet werden sollte, wurde am 18. September mittags durch ein Telefonat bekanntgegeben. Der erste Einsatzstab traf sich am gleichen Tag um 18.30 Uhr "auf dem Campus", denn zwei Tage später sollten die ersten Flüchtlinge eintreffen. Ursprünglich geplant waren 1500 Menschen, für die die verlassenen und aller Installationen beraubten Kasernengebäude zügig bewohnbar gemacht werden mussten und eine Zeltstadt errichtet wurde. Inzwischen hat sich die Bewohnerzahl stabil bei ca. 800 Personen eingependelt, die die ersten Wochen und Monate in Deutschland auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz verbringen, bis individueller Wohnraum für sie gefunden wird. Wie lange dieses jeweils dauern wird und wo am Ende die Belegungsgrenze nach oben sei, kann noch niemand sagen.

Die Notaufnahmeeinrichtung in Lessien fällt unter die Zuständigkeit des Landes Niedersachsen und die Trägerschaft der DRK Gifhorn. Sie ist als Zwischenstation für die Flüchtlinge auf dem Weg in die Kommunen gedacht, um sie dort nach ihrer Registrierung durch die Landesaufnahmebehörde schließlich dezentral unterzubringen.

In dem nun wiederbelebten Zentrum des 76 Hektar großen Geländes wurde mit Hilfe von über 500 ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern von DRK, THW, den Freiwilligen Feuerwehren, einer Gruppe Auszubildender von VW und nicht zuletzt vieler Bürger aus Ehra-Lessien und dem ganzen Landkreis ein „kleines Dorf" geschaffen.

Bei Einsatzbeginn stand nicht nur das Gras auf den Rasenflächen zwischen den Häusern meterhoch und musste erst mal gemäht werden, sondern in den Gebäuden war - buchstäblich - nichts mehr. Sanitäranlagen, Heizung, Mobiliar, alles hatte die Bundeswehr mitgenommen. Sogar die Küche im Kantinenbereich war ausgebaut worden. Inzwischen werden die Bewohner der Anlage vom VW-Catering und dem lsenbütteler Gastronomieunternehmer Jörg Roth versorgt, der mobile Küchengeräte herbei schaffte und der noch immer täglich von vielen freiwilligen Helfern unterstützt wird.

Mittlerweile laufen alle Gerätschaften und Anlagen wieder. Und auch wichtige Aktivitäten für die spätere Eingliederung der Asylbewerber in unsere Gesellschaft, wie Deutsch-Unterricht für Jugendliche und Erwachsene, Kinderbetreuung und Sprachförderung werden bereits angeboten.

Von den 804 Flüchtlinge sind 602 Männer und Jungen, 202 Frauen bzw. Mädchen, davon 160 Minderjährige und von diesen 55 Kinder im Grundschulalter von 6 bis 10 Jahren. 49 Prozent der Campbewohner sind Syrer, es folgten mit deutlichem Abstand Iraner, Afghanen, Pakistani und danach die restlichen Nationen.

Die Flüchtlingsnotunterkunft in Ehra-Lessien soll bis Mitte 2016 zu einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber entwickelt werden. Schon jetzt halten sich mit allen Helfern tagsüber bis zu 1.000 Menschen im "Camp" auf.

Unser Dank gilt allen ehrenamtlichen, hauptamtlichen und freiwilligen Helfern, für ihre tatkräftige Unterstützung und ihr ungebrochenes Engagement.